Herr Landrat, meine Damen und Herren, sehr geehrte Angehörige der Kreisverwaltung
Der Haushalt 2026 ist kein normaler Haushalt mehr. Er ist ein Warnsignal. Wir reden hier über ein Defizit von fast 50 Millionen Euro – und das ist kein einmaliger Ausrutscher, sondern Teil einer Dauerentwicklung bis mindestens 2029. Haushaltsrechtlich ist das hochproblematisch. Politisch ist es ein Weckruf.
Ja, die Herausforderungen sind real: steigende Sozialausgaben, Jugendhilfe, Personal, Inflation. Aber was wir vermissen, ist eine klare Antwort auf diese Entwicklung. Statt echter Konsolidierung sehen wir:
- weiter steigende Ausgaben,
- einen Personalaufwuchs ohne harte Priorisierung,
- und einen Haushalt, der sich zunehmend aus Liquidität und Hoffnung speist.
Das ist kein Vorwurf – aber es ist eine Feststellung. Besonders kritisch ist: Der Haushaltsausgleich ist nicht nur ein Ziel, er ist Pflicht. Wenn wir Jahr für Jahr Defizite beschließen, ohne ein wirksames Gegensteuern, dann verschieben wir die Verantwortung – auf die Zukunft, auf die Kommunen, auf die nächste Generation.
Auch die Kreisumlage bleibt unangetastet. Das mag politisch bequem sein, haushaltsrechtlich ist es riskant. Denn wer alle Einnahmeoptionen bewusst schont, muss umso konsequenter bei den Ausgaben sein. Und genau das sehen wir nicht ausreichend.
Was fehlt, sind klare Prioritäten:
- Was ist Pflichtaufgabe?
- Was ist wünschenswert, aber verschiebbar?
- Wo können wir effizienter werden, ohne Qualität zu verlieren?
Dieser Haushalt ist genehmigungsfähig – ja. – Wir müssen handlungsfähig bleiben. Aber er ist nicht zukunftsfest. Deshalb braucht es mehr als Zahlen: Es braucht einen ehrlichen Konsolidierungspfad, transparente Prioritäten und den Mut, unbequeme Entscheidungen zu treffen. Nicht irgendwann. Sondern jetzt.
Vielen Dank.
Herzlichen Dank an alle, die bei der Erstellung des Haushalts mitgewirkt haben. Hierbei geht der besondere Dank an die Finanzverwaltung mit Herrn Schwarz und Frau Klingler.
René Nauheimer
Fraktionsvorsitzender FWG Ingelheim, 30.01.2026
